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1. Situation „Noch bis 1970 waren Eltern geistig behinderter Kinder im Landkreis völlig auf sich alleine gestellt. Selbst die medizinische Diagnostik steckte damals in den Kinderschuhen und damit auch die jeweiligen Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Mangels geeigneter Kindergartenplätze und schulischer Einrichtungen mussten die Kinder zu Hause bleiben, ohne Beschäftigung, ausreichende Förderung und Ansprache. Die Mütter konnten nur in ständiger Sorge die Wohnung verlassen, zum Einkauf, Friseur usw., wenn die Väter ihrem Beruf nachgingen.“(Zitat Hr. Dr. Riedel, Ehrenvorsitzender)
2. Vereinsgründung Im Jahr 1970 schlossen sich Eltern in Selbsthilfe im Verein „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ zusammen. Zielsetzung des Vereins war zunächst rein die Beratung von betroffenen Eltern, sowie der von Frau Erika Schwaighofer ins Leben gerufenen ersten Schulklasse für geistig Behinderte den erforderlichen gesetzlichen Rückhalt zu geben. Bei der Gründungsversammlung am 23.11.1970 trugen sich bereits 82 Personen (43 Eltern und 39 Förderer) als Mitglieder ein. Hr. Dr. Werner Riedel wurde in Abwesenheit zum 1. Vorsitzenden gewählt. Hr. Dr. Riedel bekleidete dieses Ehrenamt bis zum 20.03.1998. In der Mitgliederversammlung am 20.03.1998 wurde Hr. Oswald Lerach zum 1. Vorsitzenden gewählt. Hr. Dr. Riedel wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Mitgliederzahl liegt heute bei ca. 360 Eltern und Fördermitgliedern.
3. Entwicklung Für geistig behinderte Menschen ab dem Schulentlassungsalter nach und nach Einrichtungen zur Beschäftigung, Förderung und Betreuung zu schaffen und zu betreiben war von nun an gestecktes Ziel des Vereins Lebenshilfe Berchtesgadener Land. In mühevoller Kleinarbeit wurde versucht, eine Bedarfsanalyse für den Landkreis zu erstellen.
1973 Im Frühjahr 1973 konnte erstmals eine Gastgruppe in die Werkstätte für geistig Behinderte der Lebenshilfe Traunstein in Eisenärzt entsandt werden. Sie sollte Erfahrungen sammeln und dann den Stamm einer entsprechenden Einrichtung in Bad Reichenhall bilden. Bereits im Herbst 1973 konnte eine ehemalige Kfz-Halle der Bundeswehr in Karlstein angemietet werden. Mit finanzieller und handwerklicher Unterstützung sowie mit Sachspenden für Material durch die Bevölkerung des gesamten Landkreises und der Bundeswehr konnte diese in Eigenregie zu einer provisorischen Werkstätte für Behinderte ausgebaut werden. Staatliche Zuschüsse gab es zu dieser Zeit hierfür noch nicht.
1974 Im Februar 1974 wurde mit zunächst 11 Behinderten Mitarbeitern der Betrieb aufgenommen. Es wurden überwiegend arbeitstherapeutische Maßnahmen sowie Lohnarbeiten für Firmen der Umgebung durchgeführt. Um den Behinderten eine gezielte Förderung zukommen zu lassen, wurden später auch begleitende Maßnahmen wie Gymnastik, logopädischer Unterricht, Schwimmen, Schreibkurs und Körperpflegekurs angeboten.
1975 Im Herbst 1975 wurden aufgrund der ständig wachsenden Zahl behinderter Mitarbeiter (es waren jetzt bereits 30 Beschäftigte), neue Räumlichkeiten angemietet. Es entstanden nach und nach die verschiedenen Abteilungen wie Heißmangel, Montage, Bauernmalerei, Schreinerei, Bilderrahmenabteilung und Mikroverfilmung. Durch die Vielzahl an Abteilungen war gewährleistet, dass für jeden Mitarbeiter ein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung stand.
1977 Im April 1977 wurde, um den Anforderungen des § 52 Schwerbehindertengesetz gerecht zu werden, und als anerkannte Werkstatt für Behinderte existieren zu können mit den Traunsteiner Werkstätten die "Vereinigte Behindertenwerkstätten GmbH, Einrichtungen der Lebenshilfe Traunstein und Berchtesgadener Land" gegründet. Der Verein Lebenshilfe Berchtesgadener Land e.V. war nunmehr Gesellschafter der GmbH und zugleich durch zwei Vorstandsmitglieder im Aufsichtsrat der GmbH vertreten.
1981/82 Da die Zahl der Beschäftigten in den Jahren 1981/82 auf 50 Mitarbeiter anstieg und durch Raummangel die Arbeitssicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurde es erforderlich eine neue Werkstätte in Piding zu bauen. Eine Erbschaft ermöglichte dem Verein Lebenshilfe den Kauf eines Grundstückes für diesen Zweck. Der Verein war auch maßgeblich an der Erstellung des Neubaus beteiligt.
1984 Am 01.10.1984 wurde die Behindertenwerkstätte in Piding als Aussenstelle der "Vereinigte Behindertenwerkstätten GmbH, Einrichtungen der Lebenshilfe Traunstein und Berchtesgadener Land" für 80 Personen in Betrieb genommen.
1985/1986 Planung einer Wohnstätte für die behinderten Beschäftigten der Behindertenwerkstätte in Piding.
1987/88 Mit dem Bau der ersten Wohnstätte wurde 1987 begonnen. Im Oktober konnte die Behindertenwohnstätte in Thundorf für 12 Bewohner bezogen werden. Der Erstbezug erfolgte von 7 weiblichen und 5 männlichen Mitbürgern. Der Bedarf an behindertengerechten Wohnplätzen war damit aber noch lange nicht abgedeckt. Erstmals wurde ein hauptamtlicher Geschäftsführer angestellt.
1989 Am 01.01.1989 übernahm der Verein Lebenshilfe die Trägerschaft einer Tages-Förderstätte für schwerstbehinderte Erwachsene von der "Vereinigte Behindertenwerkstätten GmbH, Einrichtungen der Lebenshilfe Traunstein und Berchtesgadener Land". Diese Gruppe umfasste erst fünf Betreute und wuchs beständig an.
1990 Aufgrund steigender Nachfrage und Vollbelegung der Wohnstätte Thundorf wurde mit den Planungen für eine neue Wohneinrichtung in Oberteisendorf mit 31 Plätzen begonnen.
1991 Ausgliederung der Pidinger Werkstätte aus der "Vereinigte Behindertenwerkstätten GmbH, Einrichtungen der Lebenshilfe Traunstein und Berchtesgadener Land" in eine eigene Tochtergesellschaft mit eigener Geschäftsführung.
1992 Baubeginn für die zweite Wohnstätte in Oberteisendorf. Dieses Haus sollte 31 Bewohnern ein neues Zuhause geben. Die Werkstätte in Piding wurde auf 150 behindertengerechte Arbeitsplätze erweitert.
1993 Ab August 1993 war der Verein Lebenshilfe auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für die Tages-Förderstätte, da der Mietvertrag mit der Pidinger Werkstätte auslief und die Gruppe wegen erneuter Aufnahmen erweitert werden musste. Geeignete Räumlichkeiten zur Beheimatung der Tages-Förderstätte wurden bei der Fa. Reichenberger in Piding angemietet. Vor dem Bezug wurde ein Umbau geplant, der den Bedürfnissen der Förderstätte entsprach. Der Umbau wurde auf Kosten der Fa. Reichenberger nach den Vorgaben der Lebenshilfe BGL vorgenommen.
1994 Ab dem 01.01.1994 ist auch die Wohnstätte in Oberteisendorf in Betrieb. Der Wohnstättenverbund des Vereins Lebenshilfe umfasst nun 43 Wohnplätze. Die Förderstätte zog zum 01.04.1994 aus der Pidinger Werkstätte aus in die neuen Räumlichkeiten bei der Fa. Reichenberger. Die Förderstätte ist nun auf 14 Plätze ausgelegt.
1996 Umbau des nicht ausgebauten Dachgeschosses in der Wohnstätte Oberteisendorf in Büroräume. Umzug der Verwaltung vom Erdgeschoss in das neu ausgebaute Dachgeschoss.
1997 Gründung des Familienentlastenden Dienstes (FeD) mit Offener Behindertenarbeit (OBA), Ambulantem Pflegedienst sowie einer Beratungsstelle. April 1997 Eröffnung einer Einrichtung mit tagesstrukturierenden Angeboten für Senioren/innen in der Wohnstätte Thundorf. Erstmalige ¼ jährliche Herausgabe einer Broschüre für Eltern und Interessierte unter dem Titel „LH-Info“ mit Themen rund um unsere Lebenshilfe und Informationen über rechtliche Entwicklungen.
1998 Im März 1998 Eröffnung einer Kurzzeitpflegeeinrichtung nach § 42, SGB XI in Oberteisendorf. Im April 1998 Erwarb der Verein ein Grundstück in Adelstetten, Gde. Ainring. Hierauf soll in Kürze eine Wohnstätte für 18 Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderung entstehen. Beginn einer breit angelegten Leitbilddiskussion mit Eltern/Vorständen, Menschen mit Behinderung sowie Mitarbeitern der Behindertenwerkstätte und der Vereinseinrichtungen.
1999 Juli 1999 Anmietung einer Doppelhaushälfte in Freilassing mit 5 Wohnplätzen. Bezug der Wohnstätte am 01.10.1999 mit 4 Bewohnern. Der Wohnstättenverbund des Vereins Lebenshilfe umfasst nun 48 Wohnplätze mit einem differenzierten Wohnangebot.
2000 Abschluss der im Jahr 1998 begonnen Leitbilddiskussion innerhalb der Lebenshilfe Berchtesgadener Land mit der Veröffentlichung des Leitbildes.
2001 Beginn der Bauplanung für die Wohnstätte Adelstetten (18 Plätze für Menschen mit schwerst- und mehrfacher Behinderung).
2002 Umbau der Kurzzeitpflegewohnung in der Wohnstätte Oberteisendorf. Die Wohnung bietet nun 7 Betten für Kurzzeitpflege und Familienentlastung. Baubeginn für die Wohnstätte in Adelstetten.
2003 Eröffnung einer Wohnstätte in Marzoll Schwarzbach mit 12 Wohnplätzen. Die Wohnstätte wurde erstmals am 01.04.2003 bezogen. Im April 2003 wurden weitere zwei "teilbetreute Wohnplätze" geschaffen. Im Oktober wurde die Wohnstätte in Adelstetten von 10 Bewohnern bezogen. Der Wohnstättenverbund des Vereins Lebenshilfe umfasst nun 78 Wohnplätze mit einem differenzierten Wohnangebot. Vorübergehende beheimatung einer zusätzlichen Förderstättengruppe in der Wohnstätte Adelstetten. Im Dezember wurde der Startschuss zur Einführung eines übergreifenden Qualitätsmanagementsystems gegeben.
2005 Gründung der „Lebenshilfe BGL GmbH“ zur Errichtung von Immobilien (speziell der neuen Förderstätte Anger) und späteren Vermietung an den e.V. als Träger der Einrichtung. Im Juni Planungsbeginn feine neue Förderstätte in der Gemeinde Anger. Die Behindertenwerkstätte Piding GmbH wird umbenannt in „Pidinger Werkstätten GmbH der Lebenshilfe BGL“.
2006 Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes (cd/ci) und Logos für sämtliche Lebenshilfe e.V. Publikationen. Die Verhandlung über die Gewährung eines pädagogischen Eingliederungshilfezuschlages für die Kurzzeitpflege mit dem Bezirk Oberbayern wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Juli 2006 konnte mit dem Landkreis BGL erstmals eine Leistungs- und Entgeltvereinbarung über „Ambulant unterstütztes Wohnen“ abgeschlossen werden. Diese ambulante Wohnform bietet ein größtmögliches Maß an individueller pädagogischer Begleitung und Betreuung in der eigenen Wohnung. Im Juli wurde mit dem Bau der neuen Förderstätte in Anger mit 26 Plätzen begonnen.
2007 Bezug der neuen Förderstätte in Anger im August 2007 durch Auflösung der Förderstätte Piding und der provisorischen Außengruppe in der Wohnstätte Adelstetten. Große Einweihungsfeier mit dem LH Bundesvorsitzenden Hr. Robert Antretter und der LH Landesvorsitzenden Barbara Stamm. Einführung der nach § 18 TVöD vorgesehenen leistungsorientierten Vergütung für alle nach TVöD beschäftigen Mitarbeiter.
2008 Übergang der gesamten Eingliederungshilfe an den Bezirk Oberbayern. Einstieg in die Planungen für ein eigenes Gebäude für den „Familienentlastenden Dienst“ und die gesamte Abteilung Offene Hilfen.
2009 4. Zukunftsvision Die Lebenshilfe möchte im Landkreis BGL ein wohnortnahes und bedarfsgerechtes Netz an Einrichtungen und Diensten für Mitbürger mit geistiger Behinderung und deren Angehörige bereitstellen. Einen weißen Fleck auf der Landkarte bildet immer noch der innere Landkreis rund um Berchtesgaden. Hier wollen wir dringend eine Wohnstätte für Bewohner der Berchtesgaden Region errichten. Die Planungen zur weiteren Entwicklung beziehen sich immer auf konkret ermittelte Bedarfe – dieser zeichnet sich für Berchtesgaden um 2015-2019 ab. Zur Verwirklichung dieser Ziele, für Landkreisbürger mit einer geistigen Behinderung, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung.
Stand Juli 2009
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